Yohannes Berhane (22)

ist dank seiner Ausbildung gut integriert.

Flüchtlinge haben auf dem Schweizer Arbeitsmarkt geringe Chancen. Insbesondere für Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren ist es schwierig, sich in die Berufswelt zu integrieren. Vielen fehlt das notwendige Schulwissen, um erfolgreich eine Lehre zu absolvieren. Doch es gibt Lösungen, wie die Geschichte von Yohannes aus Eritrea zeigt. Der 22-Jährige macht in einer Werkstatt in der Region Freiburg eine Ausbildung als Automobil-Assistent EBA.

Yohannes kam 2012 mit seiner Mutter und seiner Schwester in die Schweiz. Über die Schrecken der Flucht zu sprechen, fällt dem schüchternen jungen Mann schwer. Die erste Zeit in Freiburg war alles andere als einfach. «Ich konnte die Sprache nicht, die Kultur war mir fremd und ich kannte kaum jemanden», erzählt er.

Zu alt für die Schule

Bei seiner Ankunft in der Schweiz ist Yohannes bereits zu alt, um eine öffentliche Schule zu besuchen. Doch ohne ausreichende Kenntnisse in Französisch und Mathematik ist an eine Berufsausbildung nicht zu denken. Aber aufgeben kommt für ihn nicht in Frage – sein Wissenshunger ist gross und er zeigt Durchhaltevermögen: Nach dem einjährigen Vorbereitungskurs an der Gewerblichen und Industriellen Berufsfachschule Freiburg (GIBS) kann er in verschiedenen Unternehmen Praktika machen.

«Immer wenn ich als Kind an einer Autowerkstatt vorbeikam, habe ich mir gewünscht, Mechaniker zu werden», erzählt Yohannes. Caritas Schweiz, die den jungen Mann betreut, kontaktierte die Geschäftsführer einer grossen Werkstatt in der Region Freiburg. «Wir haben gleich gesehen, dass er motiviert ist», erinnern sich Corinne und Jean-François Lacilla, seine heutigen Chefs. Sie stellen Yohannes ein und geben ihm die Möglichkeit, eine zweijährige Ausbildung zum Automobil-Assistent mit eidgenössischem Berufsattest (EBA) zu absolvieren.

Notwendige Unterstützung in Französisch

Der junge Eritreer macht eine duale Ausbildung: Vier Tage die Woche arbeitet er in der Werkstatt. Jeden Montag hat er Unterricht. «Yohannes ist höflich, pünktlich und sehr motiviert», freut sich Corinne Lacilla. Beeindruckt von seinem Einsatz und seinen guten Noten bieten seine Chefs ihm an, seine Lehre fortzusetzen und nach 3 Jahren als Automobil-Fachmann mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis EFZ abzuschliessen.

Doch um seinen Beruf zu meistern, muss Yohannes zunächst sein Französisch verbessern. Die Caritas unterstützt ihn dabei und sucht nach einer Lösung, mit der er schnell Fortschritte machen kann: ein Intensivkurs in der Sommerpause oder abends, vielleicht mit Hilfe eines Freiwilligen.

Mittlerweile ist der junge Mann ins Team integriert. Mit seinen Kollegen versteht er sich gut: «Wir schreiben uns SMS, rufen uns an und gehen auch mal zusammen etwas trinken.» Und Yohannes hat ein klares Ziel vor Augen: Er will seine Ausbildung erfolgreich abschliessen, um sich seinen grössten Wunsch zu erfüllen. «Ich will unabhängig sein.»

Zu Yohannes

Name:
Yohannes Berhane*

Alter:
22 Jahre

Herkunftsland:
Eritrea. Kam 2012 in die Schweiz und wurde als Flüchtling anerkannt.

Familie:
lebt mit seiner Mutter und seiner 11-jährigen Schwester zusammen

Wohnsituation:
kleine Dreizimmerwohnung in der Region Freiburg

Beruf:
Absolviert das eidgenössisches Berufsattest (EBA) als Auto­mobil-Assistent. Wird seine Ausbildung fortsetzen und eine Lehre als Automobil-Fachmann mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) machen.

*Namen aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes geändert

Sich weiterbilden, schnell die Sprache lernen, um sich möglichst gut zu integrieren: Das ist das Ziel der jungen Flüchtlinge, die in die Schweiz kommen. Unterstützen wir sie dabei.

Wie unterstützt Caritas Schweiz die Integration der Flüchtlinge

Eine solide Berufsausbildung ist der Türöffner für die Integration. Genau dafür kämpft Caritas. Zudem setzt sich das Hilfswerk für gerechte Asylverfahren und menschenwürdige Unterkünfte für Flüchtlinge und Asylsuchende ein.

  • Berufliche und soziale Integration
    Im Auftrag des Kantons Freiburg betreut Caritas Schweiz derzeit 1600 Flüchtlinge, 342 davon sind zwischen 16 und 25 Jahren alt. Zur Förderung ihrer Integration wurden Programme und Massnahmen entwickelt. Die Flüchtlinge besuchen Kurse, um fehlende Schulkenntnisse nachzuholen und Wissenslücken zu schliessen. Die Integrationsberater unterstützen sie bei der Suche nach einem Praktikum oder einem Ausbildungsplatz. Und es gibt Kurse, in denen die jungen Menschen erfahren, wie die Verwaltung in der Schweiz arbeitet und das Leben in der Gesellschaft funktioniert.
  • Haus der Bildung und Integration in Matran
    Seit März 2018 betreibt Caritas Schweiz das Haus für Bildung und Integration in Matran (FR). Kochen, Hauswirtschaft, Wartungs- und Hauswarttätigkeiten stehen auf dem Kursprogramm der in der Einrichtung wohnenden jungen Flüchtlinge. Die jungen Menschen besuchen auch Sprachkurse, zum Teil im Haus selbst, teilweise auch ausserhalb. Bei der Suche nach einer Berufsausbildung oder einem Arbeitsplatz werden sie von Integrationsberatern unterstützt.
  • Kinderflüchtlinge
    Die unbegleiteten minderjährigen Jugendlichen werden im Haus der Jugend in Immensee (SZ) aufgenommen. Caritas hat das Mandat für ihre Betreuung und soziopädagogische Begleitung. Im Auftrag des Kantons Schwyz betreibt Caritas Schweiz zwei weitere Zentren für Asylsuchende in Morschach und in Biberbrugg, in denen sie auch Sprachkurse durchführt.
  • Rechtsberatung
    Caritas Schweiz setzt sich für faire Asylverfahren gemäss den rechtsstaatlichen Grundsätzen ein. Ihre Rechtsberatungsstellen in Freiburg,  der Zentralschweiz und im Jura bieten Beratung und Unterstützung.  Seit April 2018 hat Caritas Schweiz ein Mandat des Staatssekretariats für Migration (SEM) für die Beratung und Rechtsvertretung der Asylsuchenden in den Bundeszentren Giffers (FR) und Boudry (NE).
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