Yara Shuja (11)

Seit der Schule haben ihre Albträume nachgelassen

Fünf Jahre nach Ausbruch des Syrienkrieges hat der Libanon mit einem Viertel den weltweit höchsten Anteil an Flüchtlingen zu verzeichnen. Über zwei Millionen Flüchtlinge müsste die Schweiz aufnehmen, wäre sie in der gleichen Situation. Die elfjährige Yara ist ein Beispiel für die Million Syrerinnen und Syrer, die im Libanon vor Tod und Zerstörung Schutz suchen.

Yara, ihre zwei aufgeweckten Schwestern und ihr spitzbübischer Bruder wirken auf den ersten Blick wie ganz normale Kinder ihres Alters. Doch hinter fröhlichen Gesichtern verbirgt sich eine erbarmungslose Vergangenheit und eine Gegenwart in grösster Not und Armut. Die Schule ist der Lichtblick im Leben dieser Kinder, sie hat ihnen neuen Mut gegeben, aber auch Wärme, Zuneigung und die nötige Herausforderung für ihre Entwicklung.

Yara und ihre Geschwister wohnen mit ihrer Mutter in einem Geräteschuppen in einer Apfelplantage oberhalb von Kartaba, einem abgelegenen Bergdorf auf 1200 Metern. Ihr „Heim“ hat nur einen rohen Betonboden, aus den Wänden drückt die Feuchtigkeit. Seit dem letzten Schneesturm wird der Boden, auf den die Familie nachts ihre Teppiche und Tücher als Schlafunterlage legt, nicht mehr trocken. Das Haus hat kein fliessendes Wasser, die Mutter muss es 20 Minuten zu Fuss den steilen Hang hinauftragen. Die „Küche“ verdient den Namen nicht, im Zimmer hat es einen kleinen Holzofen, aber Feuerholz ist rar und teuer. Die Fenster lassen sich nur notdürftig mit einem Blech abdecken, und so bleibt es oft kalt, besonders wenn nachts die Temperaturen unter den Gefrierpunkt fallen. „Beim letzten Schneefall hatte ich Angst, dass das Dach einbricht“, sagt Yaras Mutter. Trotz all diesen Unzulänglichkeiten bezahlt sie eine Wucher-Miete von 150 Franken pro Monat. «Ich wünsche mir ein Zuhause, wo ein menschenwürdiges Leben möglich ist», sagt sie.

Die Familie stammt aus einem Dorf an der Grenze zur Türkei. Vor drei Jahren sind sie geflohen, als ihr Nachbardorf dem Erdboden gleichgemacht und auch ihr Dorf bombardiert wurde. Die Kinder, die das mit eigenen Augen gesehen haben, fürchten sich heute noch, wenn sie Flugzeuge sehen.

In der Nacht quälen Yara Albträume. «Das hat sich gebessert, seit sie in die Schule gehen kann», sagt die Mutter dankbar. «Am Anfang hatten die Kinder Angst, als Ausländer nicht akzeptiert zu werden, nun haben sie Freunde gewonnen und lieben Lehrerinnen für ihren herzlichen Umgang.» Die Freude an der Schule lässt sich daran ablesen, dass die Geschwister es in den Ferien und am Wochenende langweilig finden, zuhause herumzusitzen. Sie lernen fleissig und machen grosse Fortschritte, vor allem in Französisch, der für sie neuen Sprache, in der im Libanon alle Fächer ausser Arabisch unterrichtet werden. Yara möchte später gerne Sozialarbeiterin werden, wie die Mitarbeiterin der Caritas Libanon, die die Familie oft besucht und sich über ihr Befinden ein Bild macht.

Über Yara und ihre Familie

Familienmitglieder:

alleinstehende Mutter, 4 Kinder im Alter von
5 bis 11 Jahren

Herkunft:
Geflohen aus dem Norden Syriens nach Libanon, auf der Flucht seit 2012.

Einkommen:

Kein Einkommen, pro Monat 150 Franken Unterstützung von der UNO, Mietzuschuss von der Caritas Libanon.

Situation:

Zum Wohnen völlig ungeeigneter Geräteschuppen, Miete 230 000 Libanesische Pfund (150 Franken)

700 000 syrische Flüchtlingskinder gehen nicht zur Schule

Schulprojekt
im Nordirak

Auch im Nordirak setzt sich Caritas Schweiz für die Förderung der Schulbildung ein. In fünf arabischsprachigen Schulen in der kurdischen Stadt Erbil läuft ein Programm zur Integration von 5000 syrischen und irakischen Flüchtlingskindern. Um ihre traumatisierenden Erfahrungen überwinden zu können, erhalten die Kinder psychosozialer Begleitung und bei Bedarf therapeutische Unterstützung.

Schulprojekt im Libanon und Jordanien

In den Nachbarländern Syriens leben 700 000 Flüchtlingskinder, die keine Schule besuchen. Das Caritas-Schulprojekt im Libanon und in Jordanien, von dem auch Yara und ihre Geschwister profitieren, unterstützt 2500 Kinder. Das Projekt ermöglicht ihnen den Schulbesuch und hilft ihnen auch, dem Unterricht zu folgen und Unterrichtsinhalte aufzunehmen. Für Kinder, die Krieg und Flucht erlebt haben, ist das eine grosse Herausforderung. Die Lehrerinnen und Lehrer werden daher speziell ausgebildet darin, auf die Situation von kriegstraumatisierten Kindern einzugehen. Im Weiteren fördern die Schulen gezielt den sozialen Zusammenhalt zwischen Flüchtlingen und den einheimischen Kindern, um nachhaltig zur Verringerung von sozialen Spannungen beizutragen. Nicht zuletzt sind auch die Eltern miteinbezogen: Sie erhalten die Möglichkeit, selbst Kurse zu besuchen, die sie bei der Bewältigung des Alltags unterstützen oder ihnen gar eine Einkommensquelle eröffnen. Ziel ist es, dass die Eltern den Schulbesuch ihrer Kinder als sinnvoll erkennen. Nur so kann das Risiko von frühen Schulabgängen reduziert werden.

Ihre Spende für syrische Flüchtlingskinder

Jeder Franken, der gespendet wird, kann Caritas dafür einsetzen, dass syrische Flüchtlingskinder eine Zukunftsperspektive erhalten und ihre Familien überleben können.

Konkret:

  • Caritas ermöglicht 2500 syrischen Flüchtlingskindern im Libanon und in Jordanien den Schulbesuch und sorgt dafür, dass sie trotz ihren Traumas lernen können.
  • Im Nordirak integriert Caritas 5000 syrische und irakische Flüchtlingskinder in eine arabischsprachige Schule und unterstützt sie psychologisch.
  • In einem Drop-in Zentrum in der nordirakischen Stadt Sulaymaniyah erhalten täglich 50 bis 70 Flüchtlingskinder Beratung und psychologische Unterstützung.
  • In Jordanien unterstützt Caritas 1000 syrische Flüchtlingsfamilien und 500 bedürftige einheimische Familien. In vier Provinzen verteilt Caritas Geldkarten für Nahrungsmittel, Hygieneartikel
    und Gebrauchsgüter.
  • In Syrien führt Caritas eine Suppenküche in Aleppo, die täglich 6300 Mahlzeiten verteilt. Im Grenzgebiet zur Türkei beteiligt sich Caritas Schweiz an einem Projekt, dass die Ernährung von 45 000 Flüchtlingen sichert.