Modeste Traoré (54)

muss sich den Wetterextremen stellen

«Meine Kinder werden nicht mehr als Fischer arbeiten können», bedauert Modeste Traoré. Dabei hatte schon sein Vater seinen Lebensunterhalt als Fischer verdient. Doch der Wasserstand im Wegnia-See ist einfach zu tief. Im gleichnamigen Dorf, 150 Kilometer nördlich von Bamako, in Mali, erinnern sich die alten Dorfbewohner noch gut an die Zeiten, als Besucher in die Region strömten, um ihre Vogelvielfalt, die üppige Vegetation und die ertragreiche Landwirtschaft zu bewundern. Doch das gehört längst der Vergangenheit an. Der Klimawandel hat gnadenlos zugeschlagen.

Ein Fischer ohne Fische

Die Regenmenge sinkt und das Wetter wird immer unberechenbarer. Heftige Gewitter schwemmen tote Bäume und Erde in den See, der sich über Nacht füllt, aber auch genauso schnell wieder austrocknen kann. «Selbst wenn viel Regen auf einmal fällt, habe ich wenig Hoffnung, denn die nächste Durststrecke kommt bestimmt», erzählt Modeste Traoré. 2017 holte er 50 Kilo Kleinfisch aus dem See. Ein kleiner Teil des Ertrags ging an seine Familie und die in einem gemeinsamen Haushalt lebenden Familien seiner beiden Brüder. Mit dem Rest des Fangs konnte er einen Verkaufserlös von 200 Franken erzielen. Das reicht gerade mal, um eine Kuh zu kaufen. Deshalb setzt Modeste nun stärker auf die Landwirtschaft. Sobald die Regenzeit eingesetzt hat und die ersten Niederschläge fallen, pflanzt er in den noch feuchten Boden Sorghumhirse. Und er betet, dass sich der Himmel nicht wieder verschliesst.

Das Vieh ist ein Sparguthaben

Modeste Traoré besitzt am Seeufer ein paar Mangobäume und Bananenstauden. Er produziert hauptsächlich Sorghum, etwas Mais und Erdnüsse für den Verkauf. In der Nebensaison bauen die Frauen Tomaten, Peperoni und verschiedene Salatsorten an. Bei guter Ernte reisen die Händler aus dem 150 Kilometer entfernten Bamako an und kaufen einen Grossteil der Ernte auf. Doch werden sie sich über den Preis nicht einig, bleibt keine andere Wahl, als den mehrere Stunden langen Weg zum Markt nach Tioribougou zurückzulegen. Seit 2017 sieht sich Modeste immer wieder gezwungen, Vieh zu verkaufen, weil das Einkommen nicht ausreicht.

Mangelnde Ernährungssicherheit

Bereits Mitte 2018 hatten viele Familien in der Region des Wegnia-Sees keine Lebensmittelvorräte mehr. Die letzten Ernten fielen schlecht aus. Es musste Nahrungsmittelhilfe geleistet werden. Um sich über Wasser zu halten, arbeiten im Winter viele junge Leute in einer der zahlreichen illegalen Goldminen im Westen von Mali. Einige finden in der Hauptstadt Bamako einen Teilzeitjob, andere müssen noch weitere Distanzen zurücklegen auf der Suche nach Arbeit. In der Region passen die Dorfbewohner ihre Arbeitsmethoden an, damit der See sich besser regenerieren kann.

Es gibt Lösungen

Wassermangel und Schädlingsbefall machen aus jeder Erntesaison ein Lotteriespiel. Wiederaufforstung, Uferbefestigung, neues, widerstandsfähigeres Saatgut, klimaangepasste Anbaumethoden: Es gibt Lösungen, aber es wird Jahre dauern, bis sie ihre Wirkung entfalten. Doch die Dorfbewohner sind fest entschlossen, sie umzusetzen. In den letzten Monaten haben sie gemeinsam über 100 000 neue Bäume gezüchtet und angepflanzt, damit der Boden das Wasser besser speichern kann. Einige Bauern haben dafür ihre Felder am See an einen anderen Ort verlegt. Die Wiederaufforstung geht also voran. Am Seeufer gibt es keinen Ackerbau mehr, wodurch die Erosion reduziert wird. Zudem verwenden die Bauern weniger Holz.

Die Caritas und ihre lokalen Partner sensibilisieren die Bauern dafür, langfristig zu denken, damit die Umwelt eine Chance hat, sich zu regenerieren, und damit nachhaltige Lebensgrundlagen geschaffen werden können.

Zu Modeste Traoré

Alter:
54 Jahre

Familie:
Witwer, wieder verheiratet. Modeste lebt gemeinsam mit seiner Familie, seinen beiden Brüdern und ihren Familien auf einem Hof. Insgesamt muss er 14 Kinder ernähren.

Wohnort:
Wegnia, ein Dorf in der Gemeinde Guihoyo, Landkreis Kolokani, in der Region Koulikoro. Wie schon sein Vater lebt Modeste seit seiner Geburt in Wegnia.

Aktuelle Situation:
Modeste Traoré kann nicht mehr vom Fischen leben. Er setzt vermehrt auf die Landwirtschaft. Doch durch den chronischen Regenmangel trocknen der Ackerboden und der See gleichermassen aus.

Kontext:
Die Caritas hilft in Wegnia und einem kleinen Nachbardorf 12 000 Menschen. Es fällt zu wenig Regen, der Wasserspiegel des Sees ist konstant tief.

«Dank der Caritas hat sich unser Leben verbessert.»

Unser Kampf gegen den Klimawandel

Die Caritas unterstützt die verletzlichsten Einwohner in den Ländern des Südens bei der Anpassung an den Klimawandel und beim Schutz vor Naturkatastrophen.
Einsatzländer: Bangladesch, Brasilien, Haiti, Indien, Kenia, Mali, Somaliland, Tadschikistan und Tschad.

  • Wir sensibilisieren die Kleinbauern für den Schutz ihrer natürlichen Ressourcen und entwickeln gemeinsam neue, an den Klimawandel angepasste Anbaumethoden. 
  • Wir bauen Infrastruktur auf, die den Zugang zu Wasser und den Schutz vor Naturkatastrophen verbessert. Wir entwickeln Frühwarnsysteme und bilden Katastrophenschutzteams.
  • Wir forsten Wälder auf, um die Bodenerosion zu bekämpfen.
  • Wir entwickeln und schulen neue Technologien zur Förderung einer ökologischen und nachhaltigen Wirtschaft.
  • Im Rahmen der humanitären Hilfe unterstützen wir die Betroffenen und Vertriebenen dabei, ihre Grundbedürfnisse zu sichern: Wir stellen beispielsweise Nahrungsmittel oder Gesundheitsversorgung zur Verfügung, verbessern den Zugang zu sauberem Wasser, leisten Bargeldhilfe und stellen Viehfutter oder weitere Tiere zur Verfügung, damit sich die Viehbestände erholen können. Zudem verteilen wir neues Saatgut.
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