Marie Bamounmanan (56)

Sie ist Witwe und bringt ihre Familie allein durch

Das Leben ist für die Frauen im Tschad beschwerlich. Als Witwe musste Marie hart arbeiten, damit sie ihre vier Kinder in die Schule schicken konnte. Sie verkaufte ein Getränk, das sie selbst herstellte. Aber das genügte nicht zum Überleben. Ihr kleines Stück Land brachte auch nicht genug hervor. «Es ist unmöglich, diesem ausgelaugten Boden etwas abzuringen. Unser Saatgut gedeiht hier nicht. Und manchmal werden die Pflanzen von den Tieren der Viehzüchter zerstört.»

Marie Bamounmanan lebt in Sarh, einer Kleinstadt im Süden des Landes, nahe der Grenze zu Zentralafrika. Wie alle Frauen der Gegend erntet sie die Nüsse der Karité-Bäume auf ihrer kleinen Landparzelle. Davon stellt sie Öl – sie nennen es Karité-Butter – her. Sie macht alles von Hand, eine anstrengende Arbeit.

Die Frauen erhalten eine Ausbildung

Diese traditionelle Arbeit hat jedoch ein grosses wirtschaftliches Potenzial. Caritas hat deshalb Produktionsstätten mit neuen Maschinen für die Herstellung der Karité-Butter – bei uns auch Shea Butter genannt– entwickelt. «Wir Frauen sind nun in den professionellen Herstellungsprozess von Karité involviert», erzählt Marie. Vier Maschinen – eine Brechmaschine, eine Röstmaschine, eine Mühle und ein Butterfass – wurden von einem lokalen Ingenieur gebaut. Die Brechmaschine knackt die Nüsse, die nachher in der Röstmaschine erhitzt werden. Die gerösteten Stücke werden dann durch die Mühle gelassen und kommen unten als dicke Paste heraus. Dieser Paste wird Wasser hinzugefügt, dann wird sie im Butterfass bewegt, bis eine feine Masse entsteht.

Zehn Frauen der Produktionsstätte – unter anderem Marie – wurden ausgewählt und für die Bedienung der Maschinen geschult. Marie hat ihre Kenntnisse nachher den anderen Frauen der Produktionsstätte weitergegeben.

Eine zusätzliche Ausbildung fokussierte auf die Hygiene. Auch die Tatsache, dass Trinkwasser für die Herstellung des Öls verwendet werden muss, war ein wichtiger Bestandteil des Kurses. «Vorher hatten wir irgendwelches Wasser verwendet», erzählt Marie. «Deshalb war unsere Butter teilweise verunreinigt. Dank dieser Ausbildung verwenden wir nun Trinkwasser und unsere Butter ist jetzt von hoher Qualität.»

Die Frauen werden unabhängig

Seither ist die Produktion in die Höhe geschnellt. Vorher arbeiteten 20 Frauen während 12 Stunden, um einen Sack Karité-Nüsse zu 36 Liter Öl zu verarbeiten. Heute brauchen vier Frauen drei Stunden, um aus sechs Säcken Karité-Butter herzustellen. Das heisst: Die Frauen sind 20 mal schneller und stellen 6 mal so viel Öl her. Dank der Kommerzialisierung und dem Verkauf der Karité-Butter, die in der Küche und für die Kosmetik verwendet wird, konnte Marie die Ausbildung ihrer Tochter im Gesundheitsbereich finanzieren. Sie und ihre Schwestern konnten zudem Geld zusammenlegen und damit im Haus ihrer Mutter ein weiteres Zimmer anbauen. Die Kooperative der Karité-Produktionsstätte kann jetzt Mitgliedern, die in Schwierigkeiten sind, finanziell unter die Arme greifen.

«Wir Frauen werden nun mit mehr Respekt behandelt», freut sich Marie. «Ich fühle mich ernst genommen. »

Zu Marie:

Name:
Marie Bamounmanan

Alter:
56 Jahre

Ort:
Tschad, Region von Moyen-Chari, Stadt Sarh

Familie:
Witwe, vier Kinder und vier Enkelkinder

Wohnen:
lebt mit ihrer Tochter, ihrer Schwester, ihrem Enkel sowie ihren Neffen und Nichten in einem kleinen Haus

Situation:
Sie ist Mitglied einer Frauenkooperative, die Karité-Butter – Shea Butter – herstellt. Sie hat eine technische Ausbildung für die Verarbeitung von Karité absolviert und übermittelt das Wissen an andere Frauen der Produktionsstätte Balimba.

«Die Karité-Nuss ist für mich wie ein Diamant.»

Caritas Schweiz im Tschad: eine Langzeithilfe – gezielt und wirksam

Ungefähr die Hälfte der tschadischen Bevölkerung ist extrem arm. Die Einwohner haben keine sichere Ernährungsgrundlage. Achtzig Prozent der aktiven Bevölkerung leben von der Landwirtschaft. Die Programme der Caritas Schweiz zielen deshalb auf die Entwicklung einer fairen Landwirtschaft sowie einen nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen ab. Ungefähr 675 000 Personen profitieren davon.

  • Die Entwicklung von Produktionsstätten für Karite und Erdnüsse
    Um die Karite- und Erdnussproduktion zu professionalisieren und modernisieren, unterstützt Caritas vor allem Frauenkooperativen. Die Produzentinnen sind gut über die Marktpreise informiert und verstärken so ihre Verhandlungsposition gegenüber den Händlern. Das Resultat: Das Einkommen der Familien hat sich beträchtlich erhöht. Die Frauen können bessere wirtschaftliche Bedingungen für ihre Familie schaffen und ihren Einfluss auf Entscheidungen geltend machen. Das Projekt wird von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) unterstützt und zusammen mit Swissaid durchgeführt.
  • Die Anpassung an die Klimaveränderung erhöhen
    Die landwirtschaftliche Produktion wird im Tschad hauptsächlich durch kleine Familienbetriebe erbracht, die sehr arm sind und nur wenige Ressourcen haben. Dieses Projekt hilft, die Handlungsfähigkeit der Menschen in der tschadischen Sahelzone zu verbessern, damit sie ihre Ernährungssicherheit auf lange Frist erhöhen können. Auch ihre Widerstandskraft gegenüber dem Klimawandel und Naturkatastrophenrisiken werden gestärkt.
  • Die Berufsbildung unterstützen
    Fast vier von fünf Menschen im Tschad können weder schreiben noch lesen.  Deshalb kann nur ein winziger Prozentsatz der Jugendlichen eine Berufsausbildung absolvieren. Das Projekt versucht, jungen Frauen und Männern Berufsausbildungen anzubieten, die auf dem Markt gefragt sind.

Das Projekt wurde im Auftrag der Deza ausgearbeitet und soll die Lebensbedingungen und die Ernährungssicherheit verbessern.

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