Lilian Ariokot (24)

Sie hat sich als Bäuerin eine Existenz erkämpft

Mit energischen, gezielten Schlägen befreit Lilian Ariokot (24) mit ihrer Hacke den Boden von Unkraut und Busch-Wurzelstöcken, die nach dem Pflügen noch übrig geblieben sind. Danach zieht sie mit ihrem Mann Augustine eine Schnur quer über den Acker und bereitet mit ihrem Werkzeug flink eine Rille vor. In genauen Abständen finden die Samen darin ihren Platz. «Erst seit letztem Jahr pflanzen wir die Erdnüsse in Reihen an», sagt sie. Das hat sie mit ihrem Mann im Caritas-Projekt gelernt. Von dort haben sie auch Saatgut erhalten. Dieses ist den erschwerten Bedingungen infolge des Klimawandels besser angepasst. Alles zusammen trug zu einer überdurchschnittlich guten Ernte bei. Darauf hoffen Lilian und Augustine auch dieses Jahr. Vier Säcke Erdnüsse sollen es werden. Das würde ihnen einen Ertrag von 64 Franken einbringen.

Harter Neuanfang als Bauernfamilie

Das Leben als Bäuerin wurde Lilian nicht in die Wiege gelegt. Ihr Vater war Lehrer und sie hoffte, auch eine gute Ausbildung erhalten zu können. Aber es kam anders. Der Bürgerkrieg zerstörte viele Hoffnungen und brachte auch ihre Familie in Armut. Die hohe Arbeitslosigkeit wirkte erdrückend. Mit 17 lernte Lilian den sechs Jahre älteren Augustine kennen. «Wir entschieden uns, zusammen einen Neuanfang zu wagen», blickt Lilian zurück. Sie heirateten und kehrten zurück auf den verlassenen Hof, der seit der Ermordung von Augustines Vater durch Rebellen und der Vertreibung der ganzen Familie brachlag.

«Am Anfang wussten wir wenig über die Landwirtschaft. Wir arbeiteten viel, aber die Erträge waren gering. Es war hart. Oft mussten wir abends hungrig zu Bett», erzählt Augustine. Damit waren sie nicht allein. «In der Regenzeit kommt der Hunger ins Dorf», sagt ein Nachbar von Augustine und Lilian. Auch heute noch: Manche Kinder, die am Abend beim Dorfbrunnen spielen, haben deutliche Anzeichen von Mangelernährung.

Hühnerfleisch und Eier verkaufen

Dass Lilians und Augustines Söhne Matthew (7) und Gerald (4) gesund sind und in die Schule gehen können, ist nicht selbstverständlich. Seit eineinhalb Jahren beteiligen sich die Eltern aktiv am Landwirtschaftsprojekt von Caritas Schweiz. «Wir haben viel dazugelernt. Aber das Wichtigste sind unsere Hühner», sagt Lilian. Augustine wurde im Projekt als Impfbeauftragter ausgebildet. «Früher starben uns die Hühner immer wieder wegen Krankheiten weg. Mit den Impfungen aber bleiben sie gesund. Nun wächst unser Bestand und wir können die ausgewachsenen Hühner auf dem Markt in Soroti zu einem guten Preis verkaufen», erzählt Augustine. «Heute geht es uns besser. Wir haben genügend zu essen und können auch etwas Geld verdienen», sagt Lilian. Damit decken sie die Schulkosten. Es ist ihnen wichtig, ihren Kindern Bildung und damit eine vielversprechende Zukunft zu ermöglichen. Damit dies gelingt, haben sie Pläne entworfen: Sie möchten eine Hühnerzucht aufbauen mit bis zu 1000 Tieren und an der nahen Landstrasse ein Gebäude erstellen, um dort Fleisch und Eier zu verkaufen. Und Lilian hat einen kleinen Coiffeursalon vor Augen. Noch fehlen das Geld für den Bau und die notwendigen Kurse.

Aber die Zeichen stehen deutlich besser als früher, dass ihre Arbeit auf dem Bauernhof von Augustines Vater mehr ermöglichen wird als ein Leben von der Hand in den Mund.

Zu Lilian:

Alter:
24 Jahre

Familie:

Lilian und ihr Mann Augustine haben zwei Söhne im Alter von 4 und 7 Jahren. Der ältere wohnt bei einem Onkel, weil es in der nahen Kleinstadt eine bessere Schule hat.

Wohnort:
Die Familie lebt im Dorf Ongoratok in der Provinz Teso, wo Armut besonders verbreitet ist und nach wie vor viele Menschen zu wenig zu essen haben. Ein traditionelles Haus mit Schilfdach, zwei Rundhütten zum Kochen und für die Hühner: Das Zuhause von Lilian und Augustine ist äusserst bescheiden. Die kleinen Äcker liegen verstreut, sind aber sehr fruchtbar.

Lebenssituation:
Waren sie vor Kurzem noch reine Selbstversorger mit knappem Ertrag, so können sie heute einen Teil der Ernte und Hühner verkaufen und sich ein kleines Einkommen generieren.

«Früher gingen wir oft hungrig zu Bett.»

Existenzsicherung für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Uganda

In der Region Teso ist die Armut besonders hoch. 84 Prozent der Menschen sind von Armut betroffen. Das ist auch eine Folge des lange währenden Bürgerkrieges. Der Klimawandel verschärft die Situation zusätzlich. 1600 Bäuerinnen und Bauern wurden ausgewählt, um am Projekt Telis (Teso Livelihoods Support) mitzumachen, das Caritas Schweiz zusammen mit der lokalen NGO Teso Initiative for Peace durchführt. 80 Gruppen wurden gegründet, in denen das notwendige Wissen vermittelt wird.

  • Nachhaltige Anbautechniken: Die Bauern lernen, dass zweimaliges Pflügen den Boden besser vorbereitet, das Säen in Linien den Ertrag erhöht und die Schädlingsbekämpfung erleichtert und der Anbau von Mischkulturen den Boden schont. Aus dem Projekt erhalten die Bäuerinnen und Bauern ertragreiches Saatgut und werden ermuntert, ihre Produktion zu diversifizieren.
  • Klimaresistente Landwirtschaft: Das Projekt zeigt den Bauernfamilien, wie sie mit den Klimaveränderungen umgehen können. Die Caritas gibt ihnen klimaangepasstes und hitzeresistenteres Saatgut ab.
  • Diversifizierung des Anbaus mit Gemüse: Die Bäuerinnen und Bauern lernen auch, wie sie mit Gartenbau ihre Ernährung auf einfache Weise verbessern können. Sie erhalten dafür Saatgut und Setzlinge.
  • Freiland-Hühnerhaltung: Die Caritas unterstützt die Bauernfamilien dabei, ihre Hühnerbestände aufzubauen. Ein wichtiger Fortschritt sind die Impfungen gegen Krankheiten, die früher viele Verluste gebracht haben. Nicht nur Teilnehmende des Projekts, sondern auch Nachbarinnen und Nachbarn profitieren, indem sie ihre Tiere impfen lassen.
  • Verkauf von Hühnern: Die Hühner sind für die Familien heute eine wichtige Einkommensquelle. Sie verkaufen sie in der Nachbarschaft oder auf dem Markt. Die Hühner aus Freilandhaltung von den Höfen sind zwar beliebt, aber der Verkauf ist noch unsystematisch. Deshalb fördert die Caritas das unternehmerische Denken der Bäuerinnen und Bauern und ist bestrebt, Genossenschaften aufzubauen, die sich gemeinsam um den Direktvertrieb kümmern.
  • Kleinsparen: Die 80 Gruppen legen Ersparnisse zusammen und vergeben Kredite für Aktivitäten ihrer Mitglieder, zum Beispiel für die Vergrösserung eines Hühnerstalls.
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