Kim (7)

ist eines von über 100 000 Kindern, die in der Schweiz Armut erleben

Die siebenjährige Kim* und ihr Bruder gehören zu den über 100 000 Kindern in der Schweiz, deren Familien zu wenig Geld haben für die Bewältigung ihres Alltags. «Ich hätte nicht gedacht, dass es Armut in der Schweiz gibt», sagt ihre Mutter Linn*. Doch dann hat sie selbst die schmerzliche Erfahrung gemacht, wie schnell es gehen kann, in existenzielle Not zu geraten.

Die Familie stand früher recht gut da, Linn arbeitete Vollzeit. Dann aber wurde der Ehemann gewalttätig. Nicht nur gegen seine Frau, auch gegen die Kinder. Als Linn ihn verliess, stand sie auf einmal vor dem Nichts: «Ich wurde krank, verlor meine Stelle, musste aus der Wohnung ausziehen.» Seither kämpft sie um die Rückkehr in die Arbeitswelt und versucht gleichzeitig, so gut wie möglich für die Kinder zu sorgen.

Hobbies der Kinder würden das Budget sprengen

«Meine Kinder wissen, dass wir uns wenig leisten können, weniger als andere Familien», sagt sie. Auch wenn sie bescheiden sind, manchmal ist es für sie schwierig, damit zurecht zu kommen. Ihr Sohn Liam* (13) fragte sie einmal: «Was sollen wir nur sagen, wenn die anderen Kinder vom Harry-Potter-Museum in London erzählen und uns fragen, was wir in den Ferien erlebt hätten?» Solche Fragen machen die Mutter ratlos. In die Ferien hat sie mit ihren Kindern noch nie fahren können, schon gar nicht nach London. Weihnachten ist für die Familie ein ganz normaler Tag. Für Geschenke und Dekoration fehlt das Geld. «Ich wünsche mir für sie, dass sie Freizeitaktivitäten nachgehen können. Aber Fussball oder ein Instrument spielen ist nicht günstig. Für zwei solche Aktivitäten reicht es einfach nicht, und ich kann doch nicht nur ein Kind berücksichtigen. Das wäre nicht gerecht», sagt Linn.

Armut nicht sichtbar werden lassen

Die Kinder insistieren nicht, die beiden sind sich gegenseitig die besten Freunde und spielen viel miteinander. Die kleine Kim ist stolz auf ihren grossen Bruder Liam (13). Kontakte ausserhalb der Familie haben sie kaum. Die Familie hat sich nach der schmerzlichen Erfahrung nach der Trennung vom Vater zurückgezogen. «Wenn man in der untersten sozialen Schicht ist, spürt man das sehr gut. Man wird anders behandelt. Früher kannte ich dieses Gefühl nicht», sagt Linn. Wie viele armutsbetroffene Menschen in der Schweiz achtet sie auch darauf, dass die Armut der Familie möglichst unsichtbar bleibt. Das ist besser für die Kinder, ist sie überzeugt.

Vom Vater erhält die Familie keine Unterstützung; er lebt nicht mehr in der Schweiz und hat jeglichen Kontakt abgebrochen. Nach der Trennung musste sie zuerst eine Wohnung suchen. «Das ist sehr schwierig, wenn man auf Sozialhilfe angewiesen ist.» Als sie dann eine fand, nicht einmal halb so gross wie die frühere, brauchte sie lange, um sich in den engen Verhältnissen zu Hause zu fühlen.

Ihr grösster Wunsch: wieder selbst für die Kinder aufkommen

Linn hat eine Lehre absolviert und ist seit vielen Jahren als Sachbearbeiterin erwerbstätig. «Ich habe immer sehr gerne gearbeitet. Es brauchte dennoch unzählige Bewerbungen, bis ich eine Teilzeitstelle fand. Dort muss ich flexibel arbeiten können, aber gleichzeitig stehe ich unter grossem Druck, wenn ich weiss, dass meine Kinder bereits von der Schule zurück sind und ich nicht rechtzeitig zuhause sein kann. Was, wenn etwas passieren würde?», fragt sie bange. «Mein grösster Wunsch wäre es, dass ich finanziell wieder wie früher selbst durchkommen und für meine Kinder sorgen könnte.»

Mit der finanziellen Notlage hat Linn einen Umgang gefunden. «Ich überlege immer sehr gründlich, bevor ich Geld ausgebe. Ich frage mich: Brauchen wir das wirklich?» Eine solche Anschaffung war vor Kurzem ein Pult für die beiden Kinder, damit sie nicht mehr am Esstisch ihre Hausaufgaben machen müssen. So können sie nun konzentriert lernen.

Mit der KulturLegi kann sich Linn für die beiden Kinder einen Pass für das Museum leisten, das fünfmal im Jahr Filmabende für Kinder anbietet. «Darauf freuen sich die Kinder immer lange im Voraus», erzählt sie. Und ganz neu hat Kim ein «Gotti», vermittelt über das Caritas-Angebot der «mit mir»-Patenschaft, das mit ihr in der Freizeit Sachen unternimmt.

* Zum Schutz von Kim und ihrem Bruder wurde dieses Porträt so gestaltet, dass sie nicht wiedererkennbar sind.

Über Kim und ihre Familie

Name:
Kim*

Alter:
7

Familienmitglieder:
Mutter, alleinerziehend, und Bruder Liam* (13)

Wohnsituation:
Kleine Dreizimmerwohnung irgendwo in der Schweiz

Beruf der Mutter:
Mutter hat eine Lehre absolviert und arbeitet Teilzeit als Sachbearbeiterin

Hobby:
Basteln und Zeichnen

*Namen aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes geändert

Kinderarmut darf es in der reichen Schweiz nicht geben

In der Schweiz leben rund 1,7 Millionen Kinder. 103 000 dieser Kinder sind von Armut betroffen. Mit anderen Worten: In jeder Schulklasse in der Schweiz gibt es durchschnittlich ein Kind, das aus einer armen Familie stammt. Armutsgefährdet sind sogar mehr als drei.

Armut beein­flusst die Lebensläufe der betroffenen Kinder stark. Wer arm ist, muss sich mit schlechten Wohnungen an verkehrsreichen Strassen begnügen. Das schränkt den Bewegungsradius der Kinder empfindlich ein. Auch Freizeitaktivitäten, Hobbies oder Sport in Vereinen können sich die Eltern armutsbetroffener Kinder häufig nicht leisten, was zu Ausschluss und Isolation führt. Das hat Folgen: Wer als Kind von Armut betroffen ist, ist es oft auch im Erwachse­nenalter.

Die Verantwortung für die Bekämpfung der Kinderarmut wird zwischen Bund und Kantonen stets hin und her geschoben. Eine zielgerichtete Armutspolitik fehlt in der Schweiz. Caritas fordert, dass Unterstützungsleistungen für Familien schweizweit eingeführt werden und damit alle Kinder gleiche Rechte bekommen.

«Wenn man in der untersten sozialen Schicht ist, spürt man das sehr gut.»

Ihre Spende für armutsbetroffene Kinder und deren Familien in der Schweiz

Mit Ihrer Spende können Sie Familien am Existenzminimum ganz entscheidend entlasten. Konkret:

  • KulturLegi:
    Mit der KulturLegi von Caritas können Familien mit wenig Geld bei Sport-, Bildungs- und Kultureinrichtungen viele Weiterbildungs- und Freizeitangebote zu reduzierten Preisen besuchen. Dies schützt vor Ausgrenzung und Isolation.
  • Mit mir:
    Freiwillige Caritas-Patinnen und -Paten verbringen regelmässig Zeit mit benachteiligten Kindern, die so neue Erlebnisse und Eindrücke gewinnen können. Eine willkommene Auszeit – auch für die Eltern.
  • Sozial- und Schuldenberatung:
    Bei den Sozial- und Schuldenberatungsstellen von Caritas erhalten Menschen in schwierigen Lebenssituationen kompetente Hilfe.
  • Caritas-Markt:
    In den 21 Caritas-Märkten erhalten Armutsbetroffene gesunde Lebensmittel und Artikel des täglichen Bedarfs zu stark vergünstigten Preisen.
  • Caritas-Secondhandläden:
    Die Läden der Caritas bieten preiswerte Schuhe und Kleider für Gross und Klein, in bester Qualität.
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