Ali Al-Ahmad (49)

wurde von Aleppo nach Damaskus vertrieben. Seinen ältesten Sohn hat er im Krieg verloren.

Wie lange noch? Wie soll es weitergehen? Wie die Hoffnung auf eine bessere Zukunft behalten? – Diese Fragen stellt sich Ali Al-Ahmad in seiner grossen Sorge um seine Frau Zahra und seinen zweiten Sohn Hussein. Mohamad, der älteste Sohn, wurde als Soldat der syrischen Armee im August 2016 in Deir ez-Zor getötet. Das Leben der ganzen Familie geriet damals vollkommen aus der Bahn. Schon 2012 mussten die Al-Ahmads ihr Dorf in der Gegend von Aleppo verlassen. Islamistische Kämpfer hatten wiederholt versucht, die beiden ältesten Söhne anzuwerben. «Sie boten mir Geld gegen meine Ehre, für das Leben meiner Söhne», erzählt uns Ali-Ahmad voller Abscheu.

Jeden Freitag begibt sich die Familie ans Grab von Mohamad. Es ist in einem Dorf, 20 Kilometer von Jaramana entfernt. Ali weiss, dass Zahra auf dieses Ritual noch nicht verzichten kann.

Die Familie hat in Jaramana, einer in der Folge des Krieges vollkommen überfüllten Vorstadt von Damaskus Zuflucht gefunden. Die Familie lebt hier auf dem Dach eines Mehrfamilienhauses. Die zwanzigjährige Tochter Zenab wird sich demnächst verloben. Der zwölfjährige Hassan versucht, sich auf die Schule zu konzentrieren und über Nachhilfestunden das aufzuholen, was er in der Zeit verpasst hat, als die Islamisten ihm den Schulbesuch untersagten. Hussein und seine Mutter haben den Tod des Bruders noch nicht verarbeitet. Er verkriecht sich den ganzen Tag in seinem Zimmer. Seine Mutter sitzt viele Stunden am Tag zusammengekauert auf dem Dach und starrt ins Leere: «Ich denke an meinen Sohn, mehr nicht.»

Ali ist auf fremde Hilfe angewiesen, aber dennoch unermüdlich von morgens bis abends unterwegs, auf der Suche nach Arbeit, um sich nützlich zu machen. In seinen übergrossen Gummistiefeln, die Wollmütze fest ins Gesicht gezogen, durchstreift er das Quartier. Sein Glück ist, dass er so gut wie alles kann. Er repariert Waschbecken, macht Abflüsse frei, verbessert die Isolation der Fenster. Er ist sich auch nicht zu schade, um Waren zum Markt zu transportieren. «Vor dem Krieg lebten wir sehr einfach, aber wir hatten das Nötigste. Olivenbäume, einige Tiere, etwas zu essen. Die Kinder gingen zur Schule», erzählt uns Ali voller Traurigkeit.

Zu Ali Al-Ahmad und seiner Familie

Familienmitglieder:
Vater Ali (49 Jahre), Mutter Zahra (45 Jahre), Mohamad, getötet mit 22 Jahren, Zenab (20 Jahre), Hussein (17 Jahre), Hassan (12 Jahre).

Herkunft:
Geflohen aus der Gegend von Aleppo nach Jaramana, einer Vorstadt von Damaskus. In Aleppo lebten die Al-Ahmads als Bauern.

Situation:
Die Familie lebt auf dem Dach eines Mehrfamilienhauses. Die Miete beträgt 20 000 syrische Pfund (rund 40 CHF pro Monat).

Einkommen:
Ali hat kein festes Einkommen. Ab und zu verdient er mit Gelegenheitsarbeiten etwas. Mit Unterstützung der Caritas kann die Familie Nahrungsmittel und Kleider kaufen. Die Caritas hilft auch bei der Miete und den Schulkosten für den jüngsten Sohn.

Wie Millionen von Menschen in Syrien,
kann die Familie von Ali es allein nicht schaffen. Sie braucht Hilfe.

Unvorstellbar prekäre Lebensbedingungen

  • Es herrscht das siebte Jahr Krieg.
  • Die meisten Kriegsopfer sind Zivilisten.
  • 13,5 Millionen Menschen in Syrien benötigen humanitäre Hilfe.
  • Die Hälfte der Bevölkerung musste – oft mehrmals – fliehen, innerhalb des Landes oder ins Ausland. Die Hälfte der Vertriebenen sind Kinder und Jugendliche.
  • 70 Prozent der im Land Vertriebenen leben jetzt in den Städten und Vorstädten.
  • 85 Prozent der Bevölkerung lebt in Armut, 69 Prozent in extremer Armut.
  • Eines von drei Kindern geht nicht in die Schule, das sind insgesamt 1,75 Millionen Kinder.
  • Eine von vier Schulen ist beschädigt, zerstört, zweckentfremdet oder geschlossen.
  • 12,8 Millionen Menschen brauchen medizinische Hilfe. 2,8 Millionen Menschen sind dauerkrank. Monatlich schädigt der Konflikt die Gesundheit von 30000 Menschen.
  • Ende 2015 betrug die Arbeitslosigkeit 50 Prozent.
  • 11,8 Millionen Menschen haben bis zu 18 Stunden am Tag keinen Strom.
  • Der während des Kriegs verursachte akkumulierte wirtschaftliche Schaden wird auf 254 Milliarden Dollar geschätzt.

Ihre Hilfe, um das Nötigste zu gewährleisten

In Jaramana sind 5000 Familien auf die Unterstützung der Caritas angewiesen. In Homs sind es weitere 11 000 Familien, die Hilfe der Caritas bekommen. In Aleppo werden an 5 Tagen die Woche täglich 8000 Essen ausgegeben.

  • In Damaskus (Jaramana, Midan) und in Homs leistet die Caritas Direkthilfe über die Ausgabe von Gutscheinen über 25 000 oder 40 000 syrische Pfund (50 oder 80 Franken). Damit können die Familien Kleider, Reinigungsmittel, Decken und Nahrungsmittel (keine Zigaretten oder Kosmetikartikel) erwerben. Mit bestimmten Geschäften konnten Vereinbarungen über Preisnachlässe abgeschlossen werden. Der Gutschein lässt den Menschen die Wahl, sie wissen am besten, was sie brauchen.
  • Die Caritas unterstützt die Menschen auch bei den Mieten, die aufgrund der sehr hohen Nachfrage rasant ansteigen. Und das, obwohl die Menschen in halb fertigen oder stark zerstörten Gebäuden wohnen.
  • Medizinische Versorgung: Die Caritas konnte mit Spitälern und Kliniken Vereinbarungen über die Behandlungskosten abschliessen, die von der Caritas übernommen werden. Psychologische Begleitung ist ein starkes Bedürfnis.
  • Unterstützung beim Schulbesuch: Die öffentlichen Schulen sind zwar gratis, mit 80 Schülern pro Klasse und Zweischichtbetrieb aber vollkommen überfüllt. Die Kosten für Transport, Kost, Material und Schuluniformen sind für viele Familien schlichtweg nicht bezahlbar. Die Caritas hilft.

Weitere Informationen über die Hilfe von Caritas für die syrischen Flüchtlinge im Libanon, Jordanien und Irak.